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Predigt am 07.12.2015 in Tebis, Bietigheim Bissingen mit dem Thema: auf Gottes Stimme hören...

Ich habe vor einiger Zeit mit einem gläubigen jungen Mann geredet, der sich in eine Frau verliebt hatte.

Leider, wie das manchmal passiert, war sie nicht ganz so an ihm interessiert, wie er an ihr. Er kam zu mir und wollte wissen, was er machen soll. Er wollte wissen, was Gottes Wille ist, was ER möchte. Soll er warten, soll er nach einer anderen Frau ausschauhalten. Was will Gott.

Kennst du diese Frage? Vielleicht auch mit einer Freundin, einem Freund, mit der Berufswahl oder mit ganz banalen Dingen, wie, was soll ich morgen machen, Gottesdienst oder Fußball?

Ich wünsche mir manchmal, dass Gott bei mir anruft und mir sagt, was Sache ist. So hat es sich auch dieser junge Mann gewünscht. Dass Gott anruft und sagt, jetzt links, dann rechts, jetzt hier, hier kannst du dich mal zwischen hoch und runter entscheiden.

Ganz ehrlich, hast du dir das auch schon einmal gewünscht, zu wissen was Gott will? Was sein Weg für dich ist, ihn darum gebeten, gehört, in der Bibel gelesen? 

Aber so geht das nicht und ganz ehrlich, ich bin froh darüber. Was blinder Glaube ohne eine Nachfragen mit Menschen macht, das haben wir im Mittelalter gesehen und sehen wir in den Nachrichten auch heute wieder.

 In Römer 12 heißt es:

Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.

Damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist. Gottes Wille zu erkennen hat also etwas mit prüfen und nach Gottes Willen fragen zu tun. Mit der Fähigkeit seine Stimme zu kennen und zu erkennen.

Ich glaube es gibt zwei Arten nach Gottes Willen zu fragen und zu prüfen was Sein Wille ist. Die erste ist moralischer Natur, also wie soll ich mich verhalten, wie gestalte ich mein geistliches Leben.

Hier kann uns die Bibel weiterhelfen. Sie gibt uns teilweise klare Gebote und Verbote, zum Beispiel, du sollst nicht töten.

Wenn du also deinen Lehrer, oder deine Eltern am liebsten mal wieder umbringen willst: Sorry, der Wille Gottes ist klar. Da musst du nicht groß nach Gottes Willen fragen.  

Es gibt aber auch viele Fragen, wo wir nur Anhaltspunkte, Richtlinien oder Beispiele von Menschen in der Bibel oder in der Geschichte haben.

Wie die Frage: Wie viel soll ich spenden, wie oft soll ich beten oder wann soll ich jemandem helfen, ab wann schadet es meinem Geistlichen etwas. Hier kann ich in der Bibel lesen und mir anschauen, wie machen das andere Christen? Wie viel haben sie gebetet, wie viel haben sie gespendet.

Dann gibt es aber auch Fragen, wo uns die Bibel relativ wenig hilft, zumindest kann ich nicht nachlesen, welche Frau zu mir passt,

welchen Beruf ich wählen soll, was ich studieren soll oder über was ich die nächste Andacht in der Jungschar machen soll. Es sind meistens Fragen, die meinen Lebensweg direkt betreffen, die konkrete Entscheidungen für meinen Lebensweg angehen. Oder Fragen zu Themen, die zur Zeit Jesus noch gar nicht gestellt werden konnten.

Wie: Darf ich die Pille nehmen oder darf ich mir Musik von YouTube laden oder nicht. Einfach weil es die Pille oder YouTube damals noch nicht gab.

Klar lassen sich die beiden Punkte nicht klar voneinander trennen, aber sie haben eines gemeinsam: die Frage, was will Gott. Kurzes Beispiel aus meinem Leben:

In dem Betrieb, in dem ich gelernt habe, war es gang und gebe, dass man Material aufschreibt, das man nicht verbrauch hat. Also wenn ich an eine Kälteanlage gekommen bin, sollten wir einen Ölwechsel aufschreiben, egal ob gemacht oder nicht, der Kunde kann das ja nicht nachprüfen. Als Christ stehe ich nun vor der Frage, was tun?

Eigentlich ein klarer Fall oder? In der Bibel heißt es doch: Du sollt nicht stehlen. Naja mit Öl aufschreiben hat das nichts zu tun, ich stehle ja nicht. Klar ich wollt einfach nicht zu meinem Chef gehen und sagen. Ähm ich bin Christ und ich will das nicht machen.

Bei solchen „moralischen, geistlichen Fragen“ kann ich die Bibel nehmen, was steht da. Das hat aber auch mit Arbeit, mit prüfen zu tun,

denn ich kann viele Bibelstellen nicht einfach so nehmen und sagen, das steht da. Ich muss auch immer Fragen stellen, wie in welchem Kontext ist das geschrieben, zu wem hat Jesus das gesagt, was sagen andere Bibelstellen usw.  

Und richtig, egal wie man es auch dreht und wie oft man nach anderen Bibelstellen sucht, der Wille Gotte hier ist, das Öl nicht aufzuschreiben und vor allem zu meinem Glauben zu stehen.

Das ist das Eine: suche in der Bibel nach Antworten. Sie sind manchmal schwer zu finden, müssen richtig entdeckt und ausgegraben werden, müssen erforscht, verglichen und diskutiert werden. Doch für die meisten solcher Fragen findest du in der Bibel, oder in dem Leben von anderen Christen, eine Antwort.

Als ich dann Jahre später vor der Frage stand, soll ich Judith heiraten, hat mir die Bibel recht wenig geholfen. Ich konnte weder vergleichen, noch in Sprüche 4 Vers 7 lesen, ob sie die Richtige ist oder nicht. Ich konnte nicht nachschlagen, um herauszufinden was Gottes Wille ist. Klar ich liebe sie, ich möchte sie heiraten, glücklich bis ans Ende ihrer Tage mit ihr sein. Doch will das Gott? Wie finde ich es heraus? Ich glaube, wenn es darum geht auf Gottes Stimme zu hören, geht es auch immer darum, seinen Willen zu erkennen.

Meistens will ich Gottes Stimme hören, wenn ich eine Frage habe, wie vorher schon gesagt. Wie Fragen nach der Frau, nach dem Studienplatz oder auch der Frage, ob ich ins Training oder lieber beim JuGo mithelfen soll.

Es ist toll, wenn du auch nach Gottes Willen fragst und auf seine Stimme hören willst. In unserem Leben als Christen ist es aber auch wichtig, auf Gottes Stimme zu hören, wenn ich gar keine Frage habe. Gott möchte dir so viel sagen, möchte nicht nur deine Fragen beantworten, denn viele Fragen stellst du ja gar nicht.

Möchte dein Leben verändern, möchte dir zeigen wie es geht ihm ähnlicher zu werden.

Ich glaube, dass Gott meistens, nicht immer aber meistens, in der Ruhe, in der Stille zu uns spricht. Ich glaube manchmal, dass ich Gottes Stimme nicht höre vor lauter „mit Gott reden“. Höre doch auch mal auf, Gott „zuzutexten“, höre doch auch mal auf zu singen und Lobpreis zu machen, und höre einfach auf Gott. Ich denke jeder hat da einen anderen Zugang zur Stille. Ich mache das manchmal so: ich gehe raus, meistens wenn es dunkel ist, sage Gott alles was ich loswerden will. Bitte ihn um alles Mögliche.

Dann schweige ich.

Gehe einfach weiter. Ich höre auf zu reden. Ja, ich höre auf, Gott alles Mögliche zu sagen und bitte ihn, zu mir zu sprechen. Im Sommer lege ich mich dann hin, schaue hoch in die Sterne und höre auf Gott. Ich merke dann, wie meine Gedanken zur Ruhe kommen. Und ja Gott hat hier schon mit mir geredet. Das ich eine innere Gewissheit bekommen habe, mir ein Bibelvers eingefallen ist oder ein Zitat. Einfach dass ich wusste, was ich in einer bestimmte Sache zu tun habe. Manchmal auch, das Gott mir gezeigt hat, wo ich gerade völlig falsch lebe. Ich glaube das ist es, was in Phil 4,7 steht.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

So ging es auch den beiden Jüngern, die nach Emmaus unterwegs waren.

Am selben Tag gingen zwei, die zu den Jüngern von Jesus gehört hatten, nach dem Dorf Emmaus, das zwölf Kilometer von Jerusalem entfernt lag. Unterwegs unterhielten sie sich über alles, was geschehen war. Als sie so miteinander sprachen und alles hin und her überlegten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen. Aber sie erkannten ihn nicht.

Das ist doch tragisch. Vor lauter reden und diskutieren, hin und her überlegen, erkennen sie Jesus nicht, der direkt neben ihnen läuft.

Das ist das Eine, das ich dir mitgeben möchte. Auf Gottes Stimme zu hören heißt in aller erster Linie, nicht eine Antwort auf deine Frage zu bekommen, sondern zu hören, was er dir zu sagen hat.

Er kennt dich, er kennt deine Sorgen, deine Stärken und alles was dich umtreibt. Meine Art ist es raus zu gehen, zu laufen. Vielleicht hast du eine andere Art, finde es heraus. Aber höre auf Gott und zwar vor allem, wenn du ihn gar nicht gefragt hast. Wir stehen vor Weihnachten. Die Maria, der Josef, die Hirten, sie alle haben Gott nicht gefragt und doch hat er mit ihnen gesprochen und ihr Leben verändert.

Gehen wir in die Stille, damit es uns nicht so geht, wie den beiden Jüngern, dass wir vor lauter überlegen, vor lauter bitten und danken, flehen, loben und preisen gar nicht auf das hören können, was Gott uns zu sagen hat. Natürlich gehören auch alle deine konkreten Fragen, dein Dank und dein Lobpreis ins Gebet. Aber ich denke als Christ machst du das schon, ich möchte dir vor allem etwas mitgeben, was du vielleicht noch nicht machst. Auf Gottes Stimme zu hören, ohne dass du eine Frage hast. Einfach auf das, was er dir zu sagen hat, lauschen. Häng doch nach dem Gebet einfach noch mal zwei Minuten dran, um zu lauschen. Und ab und zu nimm dir Zeit für eine lange Stille. Gott spricht nicht nur in der Stille. Gott gebraucht oft auch andere Menschen, die seine Stimme verkünden, auch dir.

Ihr müsst wissen, ich war nicht immer Christ, naja gelinde gesagt ich war ein ziemlicher Draufgänger, immer dagegen, Frauen, und sich für keine Schlägerei zu schade.

Nachdem ich Jesus kennenlernt hatte, wurde ich eingeladen, ich glaube immer Dienstagabend, in einen Hauskreis. Da hinten vor der Küche saßen dann Paul, oft noch Peter und lauter so, sorry, alte Leute und ich mit 14 15. Ich habe zugehört, was sie erzählt haben, wie sie die Bibel lesen und sie die Bibel verstehen. Von dem, wie sie mit Jesus leben. Ich sage das nicht leichtfertig zu euch, aber wenn ihr Gottes Willen erkennen wollt, wenn ihr Gottes Stimme hören wollt, dann redet und betet nicht nur mit euren Alternsgenossen. Nein sucht auch mal das Gespräch mit den Älteren und auch den richtig Alten. Frage sie, bete mal mit ihnen. Sie haben schon so viel erlebt, haben so viel gesehen.

Und das ist das Zweite, was ich dir mitgeben möchte. Suche das Gespräch mit älteren aus deiner Gemeinde. Ich habe das oft getan, klar, oft habe ich auch nicht das gemacht, was sie gesagt haben. Schließlich wissen sie auch nicht alles und nicht alles besser. Aber ich glaube Gott hat dir auf diesem Wege viel zu sagen. Keine Frage, Gott redet auch durch deine Freunde, aber ich denke mit ihnen bist du als Christ bestimmt eh schon im Gespräch. Es ist klar, wenn du mit deinem besten Freund über etwas redest und ihr zusammen betet, dann höre mal auf das, was er sagt. Tue es nicht gleich ab. Gott kann auch durch ihn sprechen. Aber das tust du vielleicht schon. Vielleicht denkst du jetzt. Die kennen sich doch gar nicht mehr aus in der heutigen Zeit. Ganz ehrlich, vielleicht tun sie das nicht, aber ich glaube das müssen sie in manchen Dingen auch nicht. Sie wissen sehr genau wie „der Hause läuft“ und manche Dinge ändern sich nicht.

Ich war auf dem theologischen Seminar in Adelshofen und habe dort 4 Jahre meinen Bachelor of Theologie gemacht, aber weißt du von wo ich meisten gelernt habe. Denkst du im Unterricht, wie man die Bibel auslegt und was welcher Theologe wann gesagt hat und was, welches Wort auf Griechisch bedeutet. Nein, sondern von den Brüdern und Schwestern dort. Von einem Bruder M., er war mein Mentor, der mir sagte, ich solle mich nicht von anderen abhängig machen. Er hat gesehen, dass ich mich so oft von anderen abhängig mache und versuche ihnen zu imponieren mit meinem Gehabe, anstatt mich von Jesus abhängig zu machen. Um mir das zu sagen, braucht er nicht das neue iPhone, oder einen Facebookaccount.

Dafür braucht es Erfahrung und Mut.

Was aber, wenn Gott nicht zu mir spricht. Weder durch einen Bibeltext, einen Bibelvers, noch durch andere Menschen, Situationen? Auch nicht im Gebet, in der Stille und nicht durch einen Liedvers oder einen Begegnung. Das kann, glaube ich, zwei Gründe haben. Der erste ist Sünde und Schuld. Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn in meinem Leben etwas nicht richtig war, bzw. ist. Wenn ich da etwas habe, das ich in Ordnung bringen muss. Dann schweigt Gott oftmals, denn warum soll er mit mir reden, wenn doch klar ist, was ich tun soll. Wenn ich mit einem Bruder streit habe, wenn etwas zwischen uns ist, dann sollte ich das in Ordnung bringen. In Jakobus 3 wird sogar davor gewarnt: Wo Streit ist, da sind lauter böse Dinge.

Wenn du also im Streit jemand lebst oder es etwas in deinem Leben gibt, das gar nicht in Ordnung ist, kann das ein Grund sein, dass Gott nicht zu dir spricht. Niemand ist sündenfrei, jeder sündigt jeden Tag. Ich auch, deshalb brauchen wir ja jeden Tag Vergebung. Das meine ich nicht, wenn ich sage, dass Sünde in deinem Leben ist. Sondern wenn dir etwas klar ist, was du tun sollst. Vielleicht, dich bei jemandem entschuldigen, eine Lüge klären oder etwas tun, von dem du weißt, dass es richtig ist und du tust es trotzdem nicht. Dann kann es sein, dass das erst in Ordnung gebracht werden muss. Warum soll dir Gott etwas sagen, wenn doch klar ist, was getan werden muss.

Spurgeon sagte einmal:

when you can't trace his hand you must learn to trust his heart

Und das kann der zweite Grund sein, warum Gott nicht zu dir spricht.

Wenn du seiner Hand nicht folgen kannst, sie nicht greifen kannst, musst du lernen, seinem Herzen zu vertrauen.

Es muss nicht Sünde sein, es kann sein, dass dich Gott in deinem Glauben auch voranbringen will. Dass es an der Zeit ist, ihm zu vertrauen oder sich auf den Weg zu machen. Paulus unternahm hat viele Missionsreisen und in Apostelgeschichte 15 möchte er wieder eine machen. Es wird nicht berichtet, ob er darüber gebet hat oder nicht. Es wird nicht berichtet, ob er eine Vision hatte oder nicht. Es heißt sogar:

Nach einiger Zeit forderte Paulus den Barabas auf. Wir wollen noch einmal alle Orte aufsuchen, an denen wir das Evangelium verkündigt haben.

Es scheint so, dass Paulus, das einfach für eine gute Idee hielt, dass er dachte, es sei dran. Es war ihm wichtig. Nicht wie so oft zuvor hat Gott ihn direkt irgendwo hingeschickt oder ihm eine Version gegeben. Nein, er hatte selbst die Idee und hat sich auf den Weg gemacht. Er hat die Reise geplant, Personen gefragt ob sie mitkommen wollten und alles vorbereitet. Schließlich ging es los. Nach einer Weile sagte Gott zu ihm. Nein, hier bist du falsch. Also machte sich Paulus auf einen anderen Weg. Doch Gott sagte ihm auch hier: Du bist falsch. Also machte er sich weiter auf den Weg bis Gott sagt:Jawohl hier bist du richtig.

So kann es auch bei uns sein, anstatt immer auf eine Antwort zu warten, ist dieser Ausbildungsplatz der Richtige, ist das Studium das richtige.

Ist sie die Richtige. Einfach mal eine Bewerbung schreiben. Sprich sie doch einfach mal an. Beginne doch einfach einen Schülerbibelkreis. Mach dich doch auf den Weg und schaue ob Gott segnet, oder Türen schließt. Ich denke, dass wir ganz viele tolle Dinge mit Gott nicht erleben, weil wir auf eine Antwort  warten, anstatt einfach mal loszugehen und zu schauen, ob Gott dann spricht.

Und das ist das Dritte und auch Letzte, das ich dir heute mitgeben will: Wenn du Gottes Stimme in einer bestimmten Sache einmal nicht hörst, nicht weißt, was er will, dann mach dich einfach mal auf den Weg. Bleib nicht stehen, sondern schaue, ob er Segen schenkt oder nicht. 

Als Abraham und Lot vor dem Land stehen, kann Abraham ruhig Lot die Entscheidung überlassen, welches Land er will, denn Abraham weiß, egal ob es er links oder rechts gehen wird, der Segen Gottes wird mit ihm sein.

Und ich glaube auch das kann es in unserem Leben geben. Ich denke nicht, dass Gott dir alles haarklein vorschreibt. Mach dich auch mal frei davon. Ich denke es gibt auch solche Situationen wie bei Abraham, dass wir wählen können. Dass Gott nicht sagt: „ du studierst keinen Maschinenbau“, sondern dass Gott sagt: ich segne den Weg, den du gehst, wenn du ihn mit mir gehst.

Amen

 

auf gottes stimme hoeren

 

 

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